HINWEIS: Lesenacht am 7. November 2019

Die diesjährige Lesenacht findet am 7. November 2019 ab 19:00 Uhr statt – nicht wie im Elternbrief vermeldet am 20. September. Da hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen…

Nachdem wir im vergangenen Jahr den Begriff der Heimat ausgelotet haben, versuchen wir dieses Mal, “Die Sehnsucht nach dem Anderswo” aus Mascha Kalékos Gedicht zu ergründen. Auch in diesem Jahr haben sich bereits zahlreiche Schülerinnen und Schüler, Kurse und Lehrkräfte gemeldet, die ihre Sehnsüchte teilen werden – nichts desto trotz sind nach wie vor Meldungen zum Lesen herzlich willkommen. Einfach bei Doris Nickau oder bei Sigrid Baden-Schirmer in der Bibliothek melden!

Weitere Informationen zur Lesenacht 2019 folgen hier bald.

Bibliothekserkundungen des 5. Jahrgangs

Wann hat man schon mal eine ganze Bibliothek für sich allein, zum Erkunden, Erforschen, Kennenlernen, Stöbern und Schmökern? Die Schülerinnen und Schüler des neuen 5. Jahrgangs am Ratsgymnasium Rotenburg hatten genau dies: Im Rahmen der traditionellen „Bibliothekserkundungen“ durften unsere Jüngsten in den vergangenen Tagen klassenweise nach Herzenslust zwischen den Büchern spielerisch den Umgang mit diesem ganz besonderen Ort lernen.

In gewohnt gelassener und herzlicher Art brachten Bibliotheksleiterin Sigrid Baden-Schirmer und Bibliothekskraft Doris Nickau den Schülerinnen und Schüler ihre Oase im Herzen des Schulgebäudes näher. Nicht schlecht staunten die Besucher, als sie hörten, dass ihnen mehr als 25.000 Bücher und Zeitschriften zum Schmökern, Lesen und Nachschlagen zur Verfügung stehen – aber nicht nur als reine Schulsachbuchbibliothek, sondern auch mit einer ebenso großen wie großartigen Kinder- und Jugendbuchabteilung. Damit diese in Zukunft auch von den bisher ungeübten Neunutzern gefunden und ausgeliehen werden können, mussten neben den Nutzungsbedingungen zunächst einmal spielerisch Ordnung und Systematik der Bibliothek ergründet werden:

So erhielten Teams von Schülerinnen und Schülern Suchaufträge, mussten nach Registratur Bücher aufstöbern, darin Begriffe finden und Rätsel lösen, um so in den Besitz von 12 Puzzleteilen zu gelangen. Nur als Klassengemeinschaft konnte so das darauf verborgene Bilderrätsel geknackt werden, dass schließlich zu den Maskottchen der Schulbibliothek am Ratsgymnasium führte – den drei Leseratten Blacky, Grey und Alba. Aber auch die wollten zwischen den Büchern erstmal entdeckt werden.

Mit viel Spaß und großem Einsatz meisterten die begeisterten Klassen die Aufgaben und hatten sich am Ende eine Belohnung verdient: Doris Nickau las aus Katherine Applegates bewegendem Jugendroman „Crenshaw – Einmal schwarzer Kater“. Und mit einem Mal war es – von der Vorleserin abgesehen – wieder mucksmäuschenstill in der Bibliothek.

Eindrücke der Bibliothekserkundung

Ratsgymnasium in Wolfenbüttel

Schüler der Einführungsphase arbeiten in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel

Ratsgymnasium in WolfenbüttelDie Schülerinnen und Schüler der Klasse 11F bilden in dieser Woche die erste von vier Gruppen, die im Mai für jeweils drei Tage zu Gast bei unserem Kooperationspartner, der Herzog-August-Bibliothek (HAB) Wolfenbüttel, verweilen. Die HAB ist Teil der Deutschen Nationalbibliothek und legt ihren Schwerpunkt auf die Sammlung von Drucken des 17. Jahrhunderts. Begleitet werden sie von ihrem Deutschlehrer Jonas Kruse und Anneliese Schaarschmidt.

Ratsgymnasium in WolfenbüttelIn einem in enger Zusammenarbeit mit dem Bibliotheksteam in Wolfenbüttel vorbereiteten Schülerseminar vertieften die Schüler zum Thema Aufklärung, zu Gotthold Ephraim Lessing und seinem Trauerspiel „Emilia Galotti“ zu selbst gewählten Schwerpunkten ihre Fähigkeiten in der wissenschaftlichen Arbeit in Bibliotheken. So arbeitete eine Gruppe beispielsweise zu den Unterschieden in der Erziehung von Mädchen und Jungen in Lessings Zeit. Für unser Verständnis Erstaunliches konnten sie dabei in der zeitgenössischen Schrift „Die Kunst ein gutes Mädchen, eine gute Gattin, Mutter und Hausfrau zu werden“ (Bild) von Johann Ludwig Ewald lesen.

Der Unterricht an diesem besonderen Lernort stellt eine erste wichtige Orientierung für die kommende Facharbeit im Seminarfach sowie für das Studium dar. So werden beispielsweise am praktischen Beispiel die weltweite Literaturdatenbankrecherche oder Zeitschriftenausleihe erklärt und ausprobiert. Die Schülerinnen und Schüler waren dabei überrascht, wie viel Wissen und Literatur der vergangenen Jahrhunderte lediglich gedruckt und nicht online verfügbar ist.

Vera Meyer spricht zur jüdischen Geschichte

„Ich will Menschen zusammenbringen“ – Vera Meyer spricht am Ratsgymnasium

Ihr Vater, Dr. Alfred Meyer, ein 1920 in Bielefeld geborener, später international renommierter Politikwissenschaftler, floh 1939 vor den Nationalsozialisten in die USA – er war jüdischen Glaubens. Auch ihre Mutter, Eva Apfel, konnte sich gemeinsam mit den Eltern 1936 noch dorthin in Sicherheit retten. Andere Familienangehörige, Großeltern, Tanten, Onkel, hatten weniger Glück, wurden verhaftet, verschleppt und ermordet.

Vera Meyer, deren Eltern sich im Exil kennen und lieben lernten, gehört zur ersten Generation der Nach-Shoa-Kinder, die zwar nicht mehr selbst unmittelbar verfolgt wurden, deren Leben aber durch die allgegenwärtigen physischen und psychischen Folgen, durch Verlust von Familie und Heimat, durch Erzählungen und berichtete Erinnerungen in ihrem gesamten Leben durch den Holocaust begleitet werden.

Umso glücklicher, dass Vera Meyer aus diesem Schatten treten und im Land der Täter auf deren Kinder und Enkel zugehen kann. „Ich will Menschen zusammenbringen, nicht trennen,“ sagt sie über sich selbst. Auch deshalb fand sie auf Einladung von Michael Amthor gerne den Weg nach Rotenburg. Nachdem Vera Meyer am Vorabend in der Cohn-Scheune über die Wurzeln ihrer Familie in Deutschland gesprochen hatte, suchte sie am nächsten Morgen ausgeruht das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern des Ratsgymnasiums. In der Aula der Schule erzählte die freundliche, aufgeschlossene Bostonerin zunächst zwei 6. Klassen von der Jugend und Kindheit ihrer Eltern in Deutschland, davon wie sich das Land auch vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bereits zu verändern begann, von Flucht und Vertreibung. Beide Klassen hatten im Deutschunterricht den Roman “Und im Fenster der Himmel” gelesen, der sich mit dem Schicksal jüdischer Kinder im Dritten Reich beschäftigt. Später nahm sie sich nochmals 90 Minuten Zeit, um mit den Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrgangs über den Nationalsozialismus und dessen Bedeutung für Deutschland und die Verfolgten im Land zu sprechen. Immer wieder wies sie dabei auch auf den Verlust an Menschen und Kultur hin, den sich das Land mit der wachsenden Barbarei gegen eine Gruppe der eigenen Bevölkerung zufügte. Für die Anwesenden spannend waren die begleitenden Bilder aus dem Privatbesitz Vera Meyers, die den Namen und Erzählungen Gesichter verliehen, deutlich machten, dass hinter diesen Geschichten echte Menschenleben stehen.

So waren die Schülerinnen und Schüler durch den Vortrag sichtlich bewegt, gleichzeitig auch berührt von der offenen und freundlichen Art, mit der Vera Meyer so viele schmerzliche Erinnerungen und Geschichten mit ihnen teilte. Wer Vera Meyer kennt, ist hiervon indes weniger überrascht: „Die von den Nazis angestrebte Ausgrenzung des jüdischen Teils der Bevölkerung möchte ich wieder rückgängig machen. Die Wunden sollen also wieder geheilt werden,” beschreibt sie ihre Motivation. Und das, so Meyer, geht nur, wenn jeder Mensch als wichtig und wertvoll erachtet wird.

Plattdeutscher Lesetag 2019 am Ratsgymnasium

„Schoolkinner, lest platt!“ – Niederdeutscher Lesewettbewerb

Unter diesem Motto fanden sich am letzten Montag etliche Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis 8 in der Bibliothek des Ratsgymnasiums zusammen, um mal wieder „platt zu snacken“. Dabei galt es zu klären, bei wem das Platt so gut vorgetragen wird, dass es zum Schulsieg reicht. Dieser vom Landschaftsverband Stade initiierte und von den Sparkassen Elbe/Weser unterstützte Lesewettbewerb will die Freude am plattdeutschen Lesen und an der niederdeutschen Sprache wecken – und das nun schon zum 22. Mal in Folge.

Aber wer spricht heute noch Platt, einen Dialekt, der meist nur noch von den Großeltern gesprochen, vielleicht gerade noch von den Eltern verstanden wird? Erstaunlich also, dass es doch noch Jugendliche und Kinder gibt, die diesen Dialekt verstehen und sprechen und sich hier getraut haben, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dazu mussten die TeilnehmerInnen eigene plattdeutsche Texte mitbringen und in einem fünfminütigen Lesevortrag zeigen, „wat sei künnt“.

Konzentriert und ein wenig angespannt saßen die Kinder in der Schülerbibliothek des Ratsgymnasiums und warteten darauf, dass sie an der Reihe waren. Zum Glück durften Freunde und Freundinnen aus der Klasse zur Unterstützung dabei sein. Hatten sich die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler jeweils schon in ihrer Klasse den Sieg geholt,  so galt es nun erneut, mit dem richtigen Lesetempo, der treffenden Betonung sowie Mimik und Gestik die Zuhörerschaft in die plattdeutsche Welt mitzunehmen. So gab es dann so manches Schmunzeln und Lachen bei der Zuhörerschaft, wenn von „dicken, fetten Pannkoken, die kan tapper, kan tapper in’d Holt löppt“ gesprochen wurde.

Plattdeutscher Lesetag 2019 am Ratsgymnasium
Die jeweiligen Plattdeutsch-Jahrgangssieger

Ursprünglich war es gerade Plattdeutsch, welches als allgemein verständliche Sprache im Gegensatz zur lateinischen Gelehrtensprache im 16. Jahrhundert seine Verbreitung fand, war sie doch im Mittelalter der Hanse eine geschätzte und über Grenzen hinweg genutzte Sprache und auf dem Weg, eine eigenständige Standardsprache, ähnlich dem Niederländischen, zu werden. So bedeutet die Bezeichnung „platt“ eben so viel wie „verständlich“, „deutlich“, aber auch „vertraut“. Mit dem Niedergang der Hanse brach aber auch der Stellenwert des Plattdeutschen als Verkehrs- und Handelssprache langsam in sich zusammen erlitt einen schleichenden Prestigeverlust. Das Wort „Platt“ bekam einen eher negativen Beigeschmack und wurde vielfach fälschlicherweise als „sozial niedrig“ oder „intellektuell niedrig“ missdeutet. So wurde denn „Plattdüütsch“ zunehmend zur Alltagssprache der ländlichen, wenig gebildeten Bevölkerung.

Dabei wird am Plattdeutschen deutlich sichtbar, welche soziale Rolle Dialekte früher, aber eben auch heute noch spielen. Schließlich spricht man sie dort, wo man sich zuhause fühlt, wo das Gefühl von Heimat empfunden wird:  in der Familie, bei den Eltern und Großeltern.  „Meine Oma und mein Opa sprechen platt mit mir“ sind dann eben auch genau die Berührungspunkte der Kinder und Jugendlichen des Vorlesewettbewerbs mit dieser Mundart.

Für die aus den Deutsch-Lehrkräften gebildete Jury war es nach tollen Lesungen gar nicht leicht, die Entscheidung über den Schulsieg zu treffen, hatten sich doch alle TeilnehmerInnen mehr als „goat“ präsentiert.  Die Kollegin Sigrid Baden-Schirmer war als Jurymitglied dabei zwar fachfremd, aber als plattdeutsche Muttersprachlerin eine hilfreiche Unterstützung. So fiel schließlich die Wahl auf Caja Jacobs (für den 5./6. Jahrgang) und ihren Bruder Hendrik (7./8. Jahrgang), die vor allem durch ihre engagierte Leseweise letztendlich überzeugten – die Frage, ob sie als Geschwister miteinander wohl auch immer Platt „snacken“, mussten Sie allerdings verneinen…

Bis zum Regionalwettbewerb Anfang Mai in Scheeßel ist ja noch etwas Zeit, bis dahin heißt es dann für die Geschwister Jacobs: „Ornlich platt snacken!“

Teilnehmende SchülerInnen des Lesewettbewerbs 2019 am Ratsgymnasium

Vorlesewettbewerb: “Lesen ist Kino im Kopf”

Unter diesem Motto fand auch in diesem Jahr wieder der spannende Schulentscheid zum Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des deutschen Buchhandels am Ratsgymnasium Rotenburg statt. Dies ist der traditionsreichste und größte Lesewettstreit Deutschlands, der SchülerInnen und Schüler des 6. Jahrgangs zum Wettstreit um das beste Vorlesedebüt einlädt. In der Schulbibliothek lasen die fünf Klassensieger der 6. Klassen ihren Wahltext vor sowie einen Fremdtext, der von der Jury zuvor ausgewählt worden war.

Der beliebteste Wahltext war in diesem Jahr der Jugendroman “Rico, Oskar und die Tieferschatten” von Andreas Steinhöfel. Drei Schüler hatten sich entschieden, einen Ausschnitt daraus vorzutragen, darüber hinaus gab es eine Leseprobe aus dem “Känguru-Manifest” und aus “Winston 1”. Anschließend trugen die Schüler nacheinander einen Ausschnitt aus dem dänischen Roman “Wildhexe” vor, der die Heldin Clara in den Mittelpunkt stellt. Die schüchterne Clara erkennt in einer sonderbaren Begegnung mit einem Kater, dass sie über einen ‘Wildsinn’ verfügt, und daraus entsteht eine enge Verbindung des Mädchens mit der Natur und Tierwelt.

Die Jury erfreute sich an ausdrucksstarken Leseproben und wählte dann Carolin aus dem Jahrgang 6 als beste Leserin des sechsten Jahrganges aus. Carolin wird Anfang Februar unsere Schule im Kreisentscheid vertreten. Wir wünschen ihr viel Freude beim Vorlesen und drücken die Daumen!

“Heimat”-Film zur Lesenacht 2018

Darauf haben Freunde der Romanvorlage lange gewartet: Nach der Live-Vorführung im September kommt nun endlich die Verfilmung des Klassikers “Heimat – Eine Lesenacht” in die Rotenburger Kinos…

Die Film-AG hat sich also auch in diesem Jahr nicht nur die Arbeit gemacht, die Lesungen der Lesenacht zu dokumentieren, sondern hat passend zum Jahresausklang daraus einen sehenswerten Kurzfilm geschnitten.

Viel Spaß dabei!

Bücherkisten des Freundeskreises an den Jahrgang 5 übergeben

Ende November waren alle Klassen des 5. Jahrgangs am Ratsgymnasium mit ihren Deutschlehrkräften in die Schulbibliothek eingeladen, wo ihnen im Rahmen der Leseförderung eine Bücherkiste für die jeweilige Klasse in Empfang zu nehmen. Die Bücher wurden 2017 vom Freundeskreis der Schule finanziert, in diesem Jahr konnten darüber hinaus etliche aktuelle Jugendbücher aus dem Bibliotheksetat erworben werden.

Jede 5. Klasse erhält eine Kiste mit rund zwanzig Titeln aus verschiedenen Interessenkreisen, z.B. Abenteuer, historische Romane, Fantasy, Pferdebücher, Sachbücher. Die Kisten bleiben den Schultag über im Klassenraum. Die Bücher können dort in Vertretungs- oder Verfügungsstunden oder im Rahmen des Deutschunterrichts gelesen werden. Schnell konnten so in allen Klassen zwei Bücherpaten gewonnen werden, die sich bereit erklärt haben, bis Weihnachten die Bücherkisten am Anfang eines Schultages aus der Bibliothek zu holen und mittags zurückzubringen.

Bei einem Buch-Casting konnten die Schülerinnen und Schüler vier Bücher Anhand von Titel, Klappentext und Leseprobe, gelesen von Bibliotheksleiterin Sigrid Baden-Schirmer und Mitarbeiterin Doris Nickau, näher kennenlernen und ihren Favoriten auswählen. Im Rahmen eines Lesewettbewerbes können die Schülerinnen und Schüler nun zu einem der Bücher der Kiste eine Rezension anfertigen und spannende Buchpreise gewinnen.

„Schlamm“ – 15. bundesweiter Vorlesetag am Ratsgymnasium

„Ich hab‘ meine Lehrerin in den Schrank gesperrt… und da ist sie immer noch drin!“ Verschmitzt blickt Volker Evers in die Runde der vor ihm in der Aula des Ratsgymnasiums Rotenburg versammelten Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 7. Grinsende und feixende Gesichter blicken zurück. Und dann geht sie weiter, die Geschichte.

Der 16. November ist Vorlesetag am Ratsgymnasium und bundesweit, zum insgesamt bereits 15. Mal lesen und hören in ganz Deutschland beinahe 700,000 Teilnehmer zu. Evers liest indes mit all der Raffinesse seiner auf Theaterbühnen geschulten Stimme so fesselnd und lebendig, dass die von ihm vorgetragenen Szenen aus Louis Sachars „Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ alle Anwesenden, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte packen. Bei gemütlichem Herbstwetter versinkt der Vorleser in seinem bereitgestellten Sessel, greift ab und an nach Wasser oder einem Keks, und berichtet von Marshall und Tamaya, die auf dem Nachhauseweg nur eine Abkürzung durch den Wald einschlagen wollen und in der sich entwickelnden bizarren Geschichte über einen schlierigen Schlamm einen biologischen Super-GAU auslösen – Spannung pur. Und das sah man auf den Gesichtern der Zuhörerinnen und Zuhörer.

Der Vorlesetag findet mit Veranstaltungen am Ratsgymnasium Rotenburg ebenso wie an anderen Orten der Kreisstadt inzwischen in guter Tradition statt. Eingeladen und organisiert hatten auch dieses Mal wieder die Bibliothekskraft der Schule, Doris Nickau, und die Leiterin der Schulbibliothek, Sigrid Baden-Schirmer.

„Heimat“ – Lesenacht am Ratsgymnasium

Es war sicher nicht die am besten besuchte Lesenacht der vergangenen Jahre, aber in vielerlei Hinsicht sicherlich eine der spannendsten, war doch das bereits im letzten Jahr festgelegte Thema „Heimat“ im Angesicht der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der letzten Wochen ungeahnt aufgeladen.

Die von den Lesenden gewählten Annährungen und Auseinandersetzungen trugen dem durchaus Rechnung, waren persönlich und individuell, reflektierend und diskursiv und teils auch humorvoll und einfach unterhaltsam. Lesungen, Kurzvortrage, Performances, Gruppen- und Einzelauftritte, Poetry Slams – die Darbietungsformen waren dabei ebenso mannigfaltig wie die Zugänge zu diesem schwer fassbaren Begriff, „Heimat“. Besonders spannend waren die zahlreichen lyrischen Auseinandersetzungen durch Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs, die nach dem Zufallsprinzip selbstverfasste Heimatgedichte vortrugen und dabei zu interessanten Einblicken in die eigene Weltsicht gewährten. „Heimat – eine Frage der Perspektive“, so das Fazit eines der Nachwuchspoeten. Aber auch Mitglieder der jüngeren Jahrgänge trugen eigene Texte zum Thema vor, teils selbstverfasst, teils von zeitgenössischen oder vergangenen Autoren ersonnen.

In teilweise liebevoll hergerichteten Räumen, zum Beispiel in der von Sigrid Baden-Schirmer und Doris Nickau bereits herbstlich-gemütlich ausstaffierten Bibliothek (Bild: Sigrid Baden Schirmer liest aus Ulla Hahns „Aufbruch“), lasen Schüler und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen des Ratsgymnasiums.

Zum Abschluss gelang dann noch ein ungewöhnliches Experiment: Musikalisch angeleitet und am Klavier begleitet von Deutschlehrerin Kerstin Lubkowitz versuchten sich die Anwesenden an der heute aus der Zeit gefallenen Ode an seine Heimat, dem „Rotenburg-Lied“ von Kantor Helmke.