Europa-Parlamentarier Jan-Christoph Oetjen zu Besuch im Ratsgymnasium

„Demokratie lebt davon, dass Leute mitmachen“

Am Ratsgymnasium Rotenburg hatten wir, der Jahrgang 10, Besuch vom Europa-Parlamentarier Jan-Christoph Oetjen. Das Gespräch am Montag, den 04.05.2026, fand im Rahmen des Europatages und der Aktion „Back to School“ des Europäischen Parlaments statt. Der eigens aus Brüssel angereiste Oetjen berichtete von seinem politischen Werdegang und beantwortete unsere Fragen rund um Europa, Politik und seine Arbeit im Europäischen Parlament.

Für Oetjen war der Besuch an unserer Schule eine Reise in die Vergangenheit, denn bereits 1997 machte er hier sein Abitur. Schon damals engagierte er sich im Schülerrat und in der SV. Politisch begann er später bei den Jungen Liberalen, weil ihn wirtschaftliche Themen interessierten und ihm gleichzeitig eine offene Gesellschaft wichtig war.

Seit 2019 sitzt Oetjen für die FDP im Europäischen Parlament. Dort arbeitet er in mehreren Ausschüssen, unter anderem in den Bereichen Inneres, Verkehr und Menschenrechte. Besonders spannend findet er die europäische Ebene im Vergleich zur Landes- oder Bundesebene, weil in der EU viele wichtige Entscheidungen zu Themen wie Migration, Wirtschaft oder Agrarpolitik getroffen werden.

Besonders interessant findet Oetjen nach eigener Aussage die Arbeit im Europäischen Parlament, weil sich dort die Mehrheiten oft je nach Thema neu bilden würden. Anders als in vielen nationalen Parlamenten gebe es keine komplett geschlossenen Parteiblöcke. Wirtschaftlich seien die Mehrheiten häufig eher konservativ, gesellschaftlich dagegen oft liberaler. Gerade diese Mischung passe für ihn gut zur FDP.

Wirtschaftliche Fragen spielten auch im Gespräch eine Rolle. Auf die Frage, was die FDP für Wirtschaftswachstum tun wolle, nannte Oetjen vor allem Bürokratieabbau, die Förderung von Innovationen und Investitionen in Europa. Außerdem wünsche er sich mehr Geld für Forschung und Austauschprogramme wie Erasmus.

Ein großes Thema war außerdem die Migration. Oetjen sprach über den europäischen Asyl- und Migrationspakt und erklärte, dass Asylverfahren innerhalb Europas stärker vereinheitlicht werden sollen. Er arbeitete bereits 2015/16 im Landtag Niedersachsen als Abgeordneter zu diesem Thema. Menschen sollten ihren Asylantrag möglichst direkt an den Außengrenzen Europas stellen können. Dadurch solle verhindert werden, dass sich die Aufnahme von Geflüchteten vor allem auf einzelne Länder wie Deutschland konzentriere.

Dabei kritisierte Oetjen auch das Verhalten rechter Parteien bei den Ausschüssen zum Thema Migration. Diese würden sich seiner Meinung nach oft weniger an der direkten Ausschussarbeit beteiligen und stattdessen stärker über soziale Medien auftreten.

Zum Abschluss richtete Oetjen noch eine Botschaft an uns SchülerInnen: „Bringt euch bitte ein. Wir brauchen die Stimme der jungen Generation in der Politik. Wenn ihr eure Meinung nicht sagt und euch nicht einbringt, kann eure Meinung nicht gehört werden. (…) Demokratie lebt davon, dass Leute mitmachen. Wenn keine Leute mehr mitmachen, dann stirbt sie.“

Text: Berivan Mahmod und Greta Pape, Fotos: Stella Wenning aus der 10F 

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